die SZ schrieb am 22.02.2003...
Bunte Liebesbriefchen von Zeroloser
"Comic-Zeichner müssen sehr ehrlich sein" - Armin Spaendl wird künftig freche und witzige Karikaturen für die "SZ" malen
Weil er Probleme mit der Rechtschreibung hatte, zeichnete Armin Spaendl seine ersten Liebesbriefe. Inzwischen fließen kritische Comics und Karikaturen aus der spitzen Feder des technischen Angestellten.
- Von ALEXANDRA RAETZER -
Sulzbach. "Ich male nur aus Freude am Spaß. Und das eigentlich schon immer." Wenn Armin Spaendl aus Sulzbach von seinen Zeichnungen spricht, dann klingt das ziemlich bescheiden. Das Zeichnen, so erklärt er, ist einfach eines seiner Hobbys. Doch die bunten Comics und Karikaturen, die Armin Spaendl in seiner Freizeit malt, gefallen nicht nur seinen Freunden, denen er an Geburtstagen öfter mal eines seiner Werke verehrt. Sie gefallen auch der "SZ"-Redaktion Stadtverband Saarbrücken und Sulzbachtal. Und deshalb wird Armin Spaendl künftig wohl noch häufiger Papier und Stift oder Pinsel zur Hand nehmen, um gelegentlich einige freche und witzige Bilder für die "SZ" zu malen.
Dass er eines Tages als Zeichner für die Zeitung arbeiten würde, hätte sich Armin Spaendl nicht träumen lassen. Er ist hauptberuflich als technischer Angestellter bei der Firma Hydac in Sulzbach tätig. Doch wie es der Zufall will, lasen Freunde des Comic-begeisterten Sulzbachers die "SZ" genau am richtigen Tag besonders gründlich. Vor einigen Wochen nämlich hatte unsere Redaktion einen Aufruf gestartet und Leute mit zeichnerischem Talent um einige Arbeitsproben gebeten. Wenige Tage später landete dann eine blaue Mappe bei der "SZ", darin ein kurzer Brief und einige lustige bunte Bilder von Armin Spaendl, dessen Hauptfigur den Namen Zeroloser trägt. "Eigentlich ist loser (Verlierer) ja etwas Negatives - aber durch das zero (Null) wird der Loser ja wieder verneint", erklärt Armin Spaendl den Namen seiner Hauptfigur. Und die sieht ihrem Erfinder erstaunlich ähnlich. Das ist, so verrät der 1961 in St. Ingbert geborene Hobbymaler, keineswegs bloßer Zufall. "Zeroloser" ist nämlich kein anderer als Armin Spaendl selbst. Zur Ehrenrettung des Zeichners sei jedoch gesagt, dass seine Nase nicht ganz so lang ist wie die auf dem Selbstporträt. Auch die Glubsch-Augen sind viel mehr auf seine Neigung zur karikaturhaften Übertreibung als auf die natürliche Veranlagung seines Modells zurückzuführen.
Zum Malen, so erzählt Armin Spaendl, kam er eigentlich auf Umwegen: "Ich hatte immer Probleme mit der Rechtschreibung. Aber irgendwie musste ich die Liebesbriefchen ja losschicken." Und die Mädchen, so erzählt Spaendl, waren von seinen bunten Briefen begeistert: "Damit konnte man unheimlich glänzen." Mit dem Zeichnen allerdings habe er schon in ganz frühen Jahren begonnen: "Meine ersten vier Lebensjahre habe ich mehr oder weniger im St. Ingberter Becker Bräu verbracht. Dort saß immer ein Stammgast, der ständig gezeichnet hat." Und dem wich der kleine Armin nicht von der Seite. Später dann entdeckte er seine Leidenschaft für Comics, wobei Asterix, Lucky Luke und Tim & Struppi zu seinen Favoriten unter den Bildergeschichten gehören.
Zum Comic-Zeichnen, so meint Armin Spaendl, braucht man eine gute Portion Zynismus. "Und man muss sehr ehrlich sein, stellenweise auch verletzend ehrlich." Wirklich sauer allerdings, so fügt er hinzu, war noch niemand, der von ihm zeichnerisch auf die Schippe genommen wurde. Auch Armin Spaendls Frau Sabine trägt's mit Humor, wenn ihr Mann sie in der Hausfrauen-typischen Kittelschürze zu Papier bringt. Besonders gern allerdings macht Armin Spaendl seinen Kollegen eine lange Nase: Immer dann, wenn er und seine Frau auf Reisen gehen, hängt er ein Urlaubsbild in seinem Büro auf, das Zeroloser am Strand oder in den Bergen zeigt. Und wer Armin Spaendl auf der Arbeit ärgert, der muss schon damit rechnen, wenig später eine freche Karikatur auf seinem Schreibtisch zu finden. Einen Kollegen, der immer darüber klagte, die Kabeltrommeln seien zu klein, ließ Armin Spaendl auf solch einem netten Bild unter einer überdimensional großen Trommel verschwinden. Ob der betroffene Kollege sich seitdem nochmals über zu kleine Kabeltrommeln beschwert hat, ist nicht bekannt, scheint jedoch eher unwahrscheinlich.
Doch neben dem Zeichnen hat Armin Spaendl noch weitere Hobbys. Unbedingt erwähnt werden müsse an dieser Stelle, so betont Spaendl, das Sulzbacher Kellertheater. Dem fühlt sich der "eingeheiratete" Sulzbacher freundschaftlich verbunden. Hier hilft er regelmäßig beim Bühnenaufbau und betreut die Homepage des Theaters. Und die, so Armin Spaendl, macht ziemlich viel Arbeit. Allerdings bleibt immer noch genügend Zeit, um auch die eigene Homepage (www. zeroloser.de) zu verschönern, denn auch dies ist eine der Freizeitbeschäftigungen des frisch gebackenen "SZ"-Karikaturisten.
Glaubt man den Freunden, die fleißig Gebrauch von Armin Spaendls Internet-Gästebuch machen, dann hat er eine 60-seitige Comic-Geschichte von Zeroloser in der Schublade liegen. Das allerdings, so versichert der humorvolle Sulzbacher, ist in die Gerüchteküche zu verbannen. Denn für solch ein Großprojekt fehle ihm schlicht die Zeit. Ungefähr sechs Stunden arbeitet er an einem Zeroloser-Bild.
Dudweiler Dauer-Ärgernis
Während andere sich über etwas aufregen - wie zum Beispiel die Dudweiler über die störenden Poller an der Fußgängerzone -, greift Armin Spaendl zu Buntstift oder Malkasten und nimmt das Thema auf die Karikatur-Schippe. Die lustige Hauptfigur des Sulzbacher Hobby-Malers trägt den Namen Zeroloser. Karikaturen: Spaendl
Selbstbildnis. Auch vor dem eigenen Spiegelbild macht Armin Spaendls markanter Karikatur-Stift nicht Halt.


